Die regionale Elektrohyperthermie, wird auch als sogenannte Oncothermie® bezeichnet, ist eine von verschiedenen technischen Weiterentwicklungen der Hyperthermie.
Unter Hyperthermie versteht man in der Tumorbehandlung grundsätzlich den gezielten Einsatz von Wärme zu therapeutischen Zwecken.
Bei der Durchführung der regionalen Elektrohyperthermie in der Veramed-Klinik wird das System EHY 2000 der Firma Oncotherm® verwendet. In diesem System durchfluten modulierte Kurzwellen auf der Basis einer Trägerfrequenz von 13,5 MHZ den Körper.
Diese Technik, die auch physikalisch als kapazitive Radiofrequenzhyperthermie bezeichnet wird, beruht auf dem Prinzip der kapazitiven Ankoppelung.
Die speziell ausgewählte, niedrige Frequenz von 13,5 MHZ und das daran gekoppelte elektrische Feld, werden ausschließlich im Tumorverband gebündelt.
Dieser sogenannte Autofocuseffekt beruht auf der erhöhten Fähigkeit des Tumorgewebes das applizierte elektrische Energiefeld zu absorbieren. Verantwortlich dafür ist die unterschiedliche Dielektritzitätskonstante von malignem Gewebe im Vergleich zu Normalgewebe. Durch dieses Prinzip ist eine optimale und selektive Erwärmung des Tumorgewebes bis in eine Tiefe von über 14 cm gewährleistet. Die computergesteuerten, modulierten und im Tumorbereich gebündelten Kurzwellen erzeugen eine Erwärmung des Tumorgewebes auf 40-44 Grad C. Das angrenzende gesunde Gewebe wird ebenso erwärmt, aber nicht geschädigt, da es die zugeführte Hitze durch eine gesteigerte Durchblutung in einem geordneten Blutgefäßsystem abführen kann.
Darüber hinaus schützt sich gesundes Gewebe, sehr viel effektiver als malignes Gewebe, durch sogenannte Hitze-Schock-Proteine (HSP), die als zelluläre Schutz-Reaktion als Antwort auf die Stress-Situation gebildet werden.
Die tumorschädigende Wirkung des eingesetzten elektrischen Feldes beruht auf verschiedenen Komponenten, die synergistisch zusammenwirken. Tumorzellen werden durch die erhöhte Empfindlichkeit für die eingesetzten Temperaturen geschädigt und zerstört. Die Wirkung verschiedener Zytostatika wird durch eine zunehmende Schädigung der Zellwände gesteigert.
Tumorzellen produzieren in einem sehr viel geringerem Ausmaß als gesunde Zellen schützende Eiweißstoffe (HSP). Sie sind somit grundsätzlich anfälliger für die Applikation von Hitze und werden durch die Expression der Hitze-Schock-Proteine für bestimmte Effektorzellen des Immunsystems besser erkennbar und damit angreifbar.
Die Elektrohyperthermie kann bei verschiedenen Tumorerkrankungen eingesetzt werden. Sie eignet sich besonders zur Kombination mit Chemotherapie und/oder Strahlentherapie. Die Oncothermie ist eine nebenwirkungsarme, innovative Behandlungsmethode in der Onkologie. Sie wird gegenwärtig in der Universität Witten-Herdecke in Kooperation mit anderen Anwendungszentren bezüglich ihrer Wirkung und der Anwendungsmodalitäten evaluiert.
Diese Methode der Hyperthermie ist besonders geeignet für die Behandlung von lokalisierten und regional begrenzten Tumoren oder Metastasen. Die Veramed-Klinik ist ein Kooperationspartner der Universität Witten-Herdecke und nimmt an regelmäßigen qualitätssichernden Fortbildungsmassnahmen teil.